Wer mit pflegebedürftigen Menschen arbeiten will, hört bald das Wort „Betreuungsschein“. Gemeint ist fast immer das Zertifikat als zusätzliche Betreuungskraft. Auch beim Jobcenter ist das Wort üblich.
Was ist ein Betreuungsschein?
Der Betreuungsschein ist das Abschlusszertifikat einer Qualifizierung zur zusätzlichen Betreuungskraft. Betreuungskräfte begleiten pflegebedürftige Menschen im Alltag. Sie lesen vor, singen, spielen, gehen spazieren, führen Gespräche und machen Biografiearbeit. Pflege gehört nicht dazu. Laut Richtlinie sind Betreuungskräfte keine Pflegekräfte. Sie dürfen weder regelmäßig noch planmäßig in körperbezogene Pflege eingebunden werden.
Rechtlich steht der Betreuungsschein auf zwei Säulen. § 43b SGB XI gibt Pflegebedürftigen in stationären Einrichtungen einen Anspruch auf zusätzliche Betreuung und Aktivierung. § 53b SGB XI verpflichtet den Spitzenverband Bund der Pflegekassen, Richtlinien zu Qualifikation und Aufgaben zu beschließen. Diese Betreuungskräfte-RL legt fest, was deine Qualifizierung mindestens enthalten muss. Deshalb steht auf Zertifikaten und in Anzeigen meist „Betreuungskraft nach § 43b und § 53b SGB XI“.
Was muss die Qualifizierung mindestens enthalten?
Die Mindestanforderungen stehen in § 4 der Betreuungskräfte-RL. Du brauchst ein Orientierungspraktikum, die eigentliche Qualifizierung und regelmäßige Fortbildungen während der Beschäftigung. Im Einzelnen:
- Orientierungspraktikum: 40 Stunden in einer zugelassenen ambulanten, voll- oder teilstationären Pflegeeinrichtung, vor Beginn der Qualifizierung. Wer schon mindestens 40 Stunden in Betreuung oder Pflege gearbeitet hat, erfüllt es laut Richtlinie bereits.
- Basiskurs: 100 Unterrichtsstunden, unter anderem zu Kommunikation, Demenz, psychischen Erkrankungen, Grundlagen der Pflege, Hygiene und Erster Hilfe.
- Betreuungspraktikum: zwei Wochen in einer Pflegeeinrichtung, angeleitet von einer erfahrenen Pflegefachkraft.
- Aufbaukurs: 60 Unterrichtsstunden, unter anderem zu Rechtskunde, Ernährung, Beschäftigung, Bewegung und Teamarbeit.
- Fortbildung: jährlich mindestens 16 Unterrichtsstunden, solange du als Betreuungskraft arbeitest.
Die Richtlinie verlangt also mindestens 160 Unterrichtsstunden plus Praktika. Viele Träger bieten deutlich mehr. Bei Care-er umfasst die Weiterbildung 450 UE (1 UE = 45 Minuten) und 80 Stunden Pflichtpraktikum. Am Ende steht ein lehrgangsinterner Test. Du bekommst ein Zertifikat nach § 43b und § 53b SGB XI und ein IHK-Zertifikat.
43b oder 53b: Welche Bezeichnung ist richtig?
Beide. Die zwei Paragrafen ergänzen sich, wie oben beschrieben. Auf älteren Zertifikaten steht manchmal noch § 87b oder § 53c SGB XI. Die Vorschriften wurden 2017 und 2020 neu nummeriert. An der Grundidee hat sich wenig geändert. Wer nach einer früheren Fassung qualifiziert wurde, erfüllt die Anforderungen laut § 5 Abs. 3 der Betreuungskräfte-RL weiterhin.
Wie lange ist der Betreuungsschein gültig?
Das Zertifikat hat kein Ablaufdatum. Es bescheinigt deinen Abschluss, und der verfällt nicht. Einmal gemacht heißt aber nicht für immer erledigt. Die Richtlinie nach § 53b SGB XI verlangt während der Beschäftigung regelmäßige Fortbildung. Das sind jährlich mindestens 16 UE. Darin frischst du Wissen auf und reflektierst deine Praxis.
Arbeitest du als Betreuungskraft in einem Pflegeheim, sammle jedes Jahr deine Stunden und heb die Nachweise auf. Deine Einrichtung braucht sie. Sie finanziert die Betreuung über Vergütungszuschläge der Pflegekasse. Was bei fehlenden Stunden passiert, regelt die Richtlinie nicht im Detail.
Und wenn du einige Jahre nicht als Betreuungskraft gearbeitet hast?
Die Fortbildungspflicht gilt während einer Beschäftigung. Für Pausen ohne Job fordert die Richtlinie laut Wortlaut keine Fortbildung. Ob eine Einrichtung nach längerer Pause eine Auffrischung erwartet, entscheidet sie meist selbst. Sprich im Zweifel früh mit deinem künftigen Arbeitgeber.
Was kostet der Betreuungsschein?
Mit Bildungsgutschein zahlst du bei Care-er 0 Euro. Der Bildungsgutschein nach § 81 SGB III deckt 100 % der Kosten für Lehrgang, Prüfung und Material. Das Geld geht direkt von Agentur für Arbeit oder Jobcenter an den Träger. Du streckst nichts vor, und der Vertrag kommt ohne Anzahlung zustande. Dein Arbeitslosengeld oder Grundsicherungsgeld läuft weiter. Mehr dazu unter Grundsicherungsgeld und ALG.
Einlösen kannst du den Gutschein nur bei einem AZAV-zugelassenen Träger für einen zugelassenen Kurs. Die Care-er Academy GmbH ist AZAV-zugelassen (Trägerzulassung W-26-26680, zertifiziert durch GUTcert). Wie wir Qualität sichern, steht unter Qualitätsmanagement.
Zahlst du selbst, gilt ein Selbstzahler-Preis. Den nennen wir dir in der Beratung. Auch mit Job ist Förderung möglich. Beschäftigte ohne verwertbaren Berufsabschluss sind nach § 81 Abs. 2 SGB III förderfähig. Außerdem kann dein Arbeitgeber über das Qualifizierungschancengesetz nach §§ 81, 82 SGB III Zuschüsse bekommen. Die Höhe legt die Agentur im Einzelfall fest.
So kommst du an den Bildungsgutschein.
- Mach einen Termin bei Agentur für Arbeit oder Jobcenter. Sprich die Weiterbildung zur Betreuungskraft offen an. Wie du dich vorbereitest, steht in Erstgespräch im Jobcenter vorbereiten.
- Hol dir von Care-er ein Angebot mit Maßnahmenummer. Damit kann deine Beratungsfachkraft den Kurs prüfen.
- Die Bewilligung dauert meist 2 bis 4 Wochen. Der Gutschein gilt dann meist ein bis drei Monate. Die genaue Frist legt deine Behörde fest.
- Bei einer Ablehnung kannst du innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen (§ 84 SGG).
Schritt für Schritt erklären wir das unter Bildungsgutschein erhalten und in Bildungsgutschein richtig beantragen. Mit dem Förder-Check siehst du vorab, welche Förderung zu dir passt.
Kann ich den Betreuungsschein online machen?
Ja, den Theorieteil. Bei Care-er laufen alle Kurse online. Du lernst im Live-Unterricht mit Fachdozent:innen. Dazu kommt unser adaptives Lernsystem ALIS. Es passt Formate und Lernweg an dich an. Du lernst von zu Hause und fährst nicht täglich zu einem Schulungsort.
Das Pflichtpraktikum von 80 Stunden findet vor Ort statt. Du machst es in einer Einrichtung in deiner Region, etwa einem Pflegeheim, einer Tagespflege oder einem ambulanten Dienst. Wir helfen dir bei der Suche. Klappt der Abschlusstest beim ersten Mal nicht, wiederholst du ihn direkt danach ohne Zusatzkosten. Mehr unter Prüfung und Zertifikat.
Wie lange dauert es bis zum Betreuungsschein?
Die Kompakt-Ausbildung bei Care-er dauert ca. 9 bis 11 Wochen. Zusatzmodule umfassen je drei Wochen und 150 UE. Mit einem Zusatzmodul kommst du zum Beispiel auf 14 Wochen. Neue Kurse starten alle 4 Wochen. Nach der Bewilligung wartest du also nicht lange.
Inhalte, Ablauf und Termine findest du auf der Kursseite Weiterbildung zur Betreuungskraft. Ob du einen Bildungsgutschein bekommen kannst, klären wir in der individuellen Beratung. Wir sagen dir ehrlich, welche Wege offenstehen. Berufsalltag und offene Stellen findest du bei Specialist Match.
Quellen: § 43b SGB XI; § 53b SGB XI; §§ 84 Abs. 8 und 85 Abs. 8 SGB XI; Richtlinien nach § 53b SGB XI zur Qualifikation und zu den Aufgaben von zusätzlichen Betreuungskräften in stationären Pflegeeinrichtungen (Betreuungskräfte-RL) des GKV-Spitzenverbands, zuletzt geändert durch Beschluss vom 21. Oktober 2022; §§ 81 und 82 SGB III; § 84 SGG; arbeitsagentur.de. Stand: September 2026.
